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Ahorn (Bergahorn)
Acer pseudoplatanus
Herkunft, Verwendung
Von unseren drei einheimischen Ahornarten bringt der Bergahorn das Holz mit den besten Qualitäten hervor, wie sie inbesondere im Musikinstrumentenbau verlangt werden. Acer pseudoplatanus, so der botanische Name des Baumes mit den fünflappigen Blättern und der goldgelben Herbstfärbung, wächst in den Bergwäldern von Nordspanien bis zum Kaukasus, von Norditalien und Jugoslawien bis zum Harz in einer Höhe von über 800 m.
Der hellfarbige Ahornholz wird seit jeher im Möbelbau und Innenausbau geschätzt und zwar sowohl als Furnier als auch in massiver Form. Außerdem gehört Ahorn wie kaum ein anderes Holz zum Haushalt und zur Küche. Überhaupt zählt Ahorn zu den bevorzugten Hölzern der Drechsler, Schnitzer und Bildhauer. Im Musikinstrumentenbau gelten für den Bergahorn traditionell zwei große Einsatzbereiche: die Streich- und Zupfinstrumente mit ihren Böden, Zargen, Hälsen und Stegen und dann die Holzblasinstrumente, insbesondere das Fagott und die Blockflöte.
Gewinnung, Ökologie, Bearbeitung
Größere, fast reine Bestände bildet der Bergahorn in den Kalkalpen, sonst wächst er einzeln eingesprengt oder gruppenweise in den mittleren und höheren Lagen seines Verbreitungsgebietes. Außer in strikten Naturschutzgebieten wird er forstlich bewirtschaftet. Das heißt, die geeigneten Stämme werden ausgewählt und schon des Wertes wegen gezielt und schonend entnommen. Großflächige Kahlschläge, im Bergwald ohnehin nicht möglich, sind aufgrund des verstreuten Vorkommens ausgeschlossen. Den Ahornnachwuchs sichert entweder die Naturverjüngung aus Samenanflug oder der forstliche Anbau. Dabei achtet man auf ausgewogene Mischung mit den anderen, für ökologisch, stabile Bergwaldgesellschaften typischen Baumarten.
Direkt beim Forst kauft der auf Musikinstrumentenhölzer spezialisierte Sägewerker das Ahorn-Rundholz. Er organisiert den Transport, schneidet die bestgeeigneten Stämme zu Kanteln, den frühesten Vorformen der späteren Flöten- und Fagott-Teile.
Holzeigenschaften
Bergahorn zeichnet sich durch ein cremeweißes bis fast weißes Holzbild mit feiner Struktur aus, wobei die Farbe später goldtonig nachdunkelt. Das Holz besitzt generell einen homogenen und kompakten Aufbau. Für den Bau von Holzblasinstrumenten sucht der Bearbeiter speziell die langsam gewachsenen Stücke mit engen, gleichmäßigen Jahresringen aus.
Solche Hölzer sind nur mäßig bis mittelschwer, dabei jedoch hart, abriebfest und dicht. Sie lassen sich gut bearbeiten, inbesondere sauber profilieren, drechseln und schleifen. Zudem haben sie das erforderliche Stehvermögen unter den ständig wechselnden Feuchtebedingungen. Die Öl- oder Paraffintränkung (je nach Firma unterschiedlich) als zusätzlichen Feuchteschutz nimmt Bergahorn ausgezeichnet an. Hervorragende Ergebnisse bringt auch die Oberflächenbehandlung: das Beizen, Polieren und Lackieren.
Sein relativ geringes Gewicht prädestiniert das Holz für den Bau von Fagotten. Hierzu passt auch die charakteristische Klangfarbe des Ahorns vom Berge: grundtönig, voll und weich.
Fagottbau im Hause Püchner
Der Holzblasinstrumentenbauer bezieht sein Holz vom spezialisierten Importeur und Sägewerker in Form von Kanteln. Der Sägewerker berücksichtigt schon beim Schneiden der Kanteln die Maße des endgültigen Musikinstruments, um eine möglichst hohe Ausnutzung des wertvollen Rohstoffes zu erreichen.
Bevor das Holz zur Trocknung eingelagert wird, werden die Kanteln mit einer längsseitigen Vorbohrung versehen, damit das Holz von innen trocknen kann. Der Prozess der Naturtrocknung dauert bei Püchner circa 15 Jahre, was jedoch von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich ist.
Erst nach dieser langen Lagerungsphase beginnt die eigentliche Bearbeitung des Instruments: Die Holzteile werden nun auf Form gedreht, geschliffen, poliert und in Leinöl imprägniert. Auf Präzisionskopiermaschinen bohrt der Holzblasinstrumentenmacher anschließend die Ton- und Säulchenlöcher an und setzt die Mechanik auf. Nach dem Aufsetzen der Mechanik wird diese wieder abmoniert. Ist dies geschehen, werden die einzelnen Holzkörper zu einem Instrument zusammengestellt. Anschließend erfolgen die Arbeiten, die die Qualität eines Instrumentes maßgeblich bestimmen: die Endmaße der Innenbohrung werden angebracht, die Seele des Instrumentes.
Die inzwischen polierte und galvanisierte Mechanik, die auch mit aufschlagsdämpfenden Materialien beklebt und mit Polster versehen worden ist, wird nun endmontiert.
Nach dem abschließenden Ausstimmen und Testen durch den Anbläser hinsichtlich Stimmung, Ansprache und Tonqualität, ist das Fagott oder Kontrafagott nun bereit, seinen Bläser/seine Bläserin zu finden.
Wir danken der Firma Nagel, Hamburg für die freundliche Zurverfügungstellung weiter Teile des Textes.
Literatur: „Holz als Rohstoff für den Musikinstrumentenbau“, Dr. Hans Georg Richter, Moeck Verlag, Celle